"Ich denk an Dich"


  Publikation in der Sempacher Woche und Surseer Woche
vom 14. August 2003

Kolumne von Carmen von Däniken
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Steil ist der Aufstieg ins Dörfchen Carpasio in den italienischen Bergen von Ligurien. Zwischen den verschachtelten, am Hang klebenden Häusern liegt eingebettet neben Gewölben, Strassenlaternen und Wäscheleinen die kleine Kirche San Benedetto. Das Gelände ist so abfallend, dass ein kleiner Eingang im oberen Strässchen und eine weitere kleine Holztüre ein Stock tiefer in das Gotteshaus führen. Normalerweise sind die Kirchen und Kapellen in Italien ausserhalb der Gottesdienst-Zeiten geschlossen. Denn selbst religiöse Stätten werden von Diebstahl und Vandalismus nicht verschont. Doch heute haben wir Glück. Giovanni Manzoni, der Elektriker aus dem Nachbardorf, muss einen Kurzschluss im Beichtstuhl reparieren. In der Kirche ist es still und kühl. Die wenigen Sonnenstrahlen, die durch die Oberfenster dringen, streifen das kahle Haupt des hölzernen St. Antonius und fallen auf den Stapel weisser Kerzen, die für 30 Cents angeboten werden. Längst haben in den Kirchen Italiens die Elektrolämpchen die Kerzenhalter ersetzt. Wegen den Russ-Schäden an den Deckengemälden. Doch hier im Bergdörfchen fehlt entweder das Geld für einen Elektrolämpli-Kasten oder der Pfarrer hier ist sich um das Ritual des Kerzen-Anzündens bewusst.

Haben Sie schon einmal für jemanden eine Kerze angezündet? Einfach so. In einer stillen, leeren Kirche oder Kapelle? Das sorgfältige Aussuchen einer Kerze und das Entfachen der Flamme lösen wohlwollende Gedanken an die entsprechende Person aus. Und es ist, als ob das Kerzenlicht über Stunden diese guten Schwingungen aussenden würde. Gleichzeitig stellt sich beim Betrachten des Lichtes eine innere Ruhe und Zufriedenheit her. Ein wunderbarer Moment an einem unscheinbaren Ort. Dieses Ritual des Kerzen-Anzündens geht nicht darin auf, einen christlichen Sinn zu haben. Sondern es geht viel mehr in dem Sinn auf, ein Ritual zu sein. Einfach ausgedrückt heisst das: man tut etwas um der Gedanken willen. Genauso wie die Mutter ihrem Sprössling jeden Morgen mit der Hand über den Kopf fährt, bevor sie ihn auf den Weg in den Kindergarten schickt. Die guten Wünsche der Mutter übertragen sich auf das Kind und geben ihm Zuversicht und Alltagssicherheit. Ein Ritual, was immer es auch sei, schafft Ruhepole, auch in der Fremde. Mit relativ wenig wird eine innere Zufriedenheit ausgelöst. Gleichzeitig wirken solche Handlungen wie Ankerplätze, die Sicherheit und innere Stabilität bewirken. Nichts kann passieren.

Ich glaube an die Kraft der Gedanken. Schon Marc Aurel, röm. Kaiser von 161 - 180 n. Chr., hat erkannt: "Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab." Allein die Worte "ich denke an Dich" lösen beim Empfänger positive Impulse aus und stärken seine Selbstsicherheit. Gute Wünsche wirken wie Katalysatoren. Man muss sie nur einsetzen. Achten Sie einmal darauf, wenn sie ihrem Partner oder ihrem Kind auf dem Weg zu einer Prüfung zurufen "ich drücke dir die Daumen!" Ein liebes Lächeln quittiert den positiven Effekt. Auch wenn das vielleicht ein bisschen weit hergeholt sein soll: Gedankliches Verweilen bei einem Menschen überträgt positive Energien. Wagen Sie eine liebenswürdige Geste und senden Sie Ihrem Partner oder Ihrer Liebsten ein SMS, ein e-Mail oder einfach eine Karte mit den Worten: "Schön dass es Dich gibt!"