Wenn der Drucker weiter läuft ...!
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Wenn der Drucker weiter läuft ...!


  Publikation in der Sempacher Woche und Surseer Woche
vom 1. April 2004

Kolumne von Carmen von Däniken
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Susanne arbeitet seit zwei Jahren als Sekretärin in einem namhaften Unternehmen der Metallindustrie. Für die Produktions-Abteilung hat sie einen tollen, farbigen Flyer kreiert, der baldmöglichst an die Kunden verschickt werden soll. 500 Stück werden es sein. Ihr Farbdrucker läuft auf Hochtouren. Nach 300 bedruckten Blättern entdeckt Susanne im Untertitel einen Schreibfehler, in der dritten Bildlegende ebenfalls und unten bei der Firmenadresse hat sie Strasse nur mit einem "s" geschrieben. Was nun?

Wie würden Sie in so einem Fall reagieren? Eigentlich gibt es nur eine Lösung, denn als Angestellte dieser Firma darf Susanne nicht im eigenen Interesse agieren, sondern einzig und allein im Dienste der Sache des Unternehmens. Man mag einwenden, dass die Sekretärin bei 300 Prospekten bereits viel Tinte verbraucht hat. Und Tinte kostet. Doch wenn 500 Prospekte, liederlich geschrieben, die Firma verlassen, ist der Schaden weit grösser. Image-Schaden. Ein Image aufbauen kostet viel Zeit. Denn die Firma muss ihre Botschaft in Bezug auf Qualität und Verhalten auf dem Markt über einen längeren Zeitraum vermitteln und halten können. Und nun dieser Fauxpas. Eine solche Delle im Unternehmensbild lässt sich nicht so schnell ausbügeln. Die Firma verliert ein Stück an Glaubwürdigkeit und Ansehen. Und was noch dazu kommt: Sie macht sich lächerlich.

Susanne hat den Drucker ungehindert weiter laufen lassen und die 500 Prospekte fein säuberlich verpackt. "Was soll's", hat sie sich gedacht," die drei Tippfehler merkt sowieso keiner!" Doch da täuscht sie sich gewaltig. Denn es ist bei allem so wie mit der Rechtschreibung. Wer auf einem Gebiet sattelfest ist, entdeckt den Mangel sofort.

Schade, dass Susanne so denkt. Und mit ihr auch ein paar andere. Man ist nachlässig. Der Lohn fliesst Ende Monat auch so. Ein schlechtes Gewissen? Vielleicht. Doch das kehrt sich bei der nächsten Rüge durch den Chef wieder in ein Nach-mir-die-Sintflut-Denken. Personen mit einer solchen Lari-Fari-Einstellung sind sich eines nicht bewusst: Sie schaden dem Unternehmen beträchtlich. Und auf die Länge gesehen, sägen sie mit ihrem subtilen Untergraben des Firmengeistes am Ast auf dem sie selber sitzen.

Unternehmerisches Denken heisst im Interesse der Firma handeln und setzt sich zusammen aus Eigenständigkeit, Glaubwürdigkeit, Beständigkeit und erstklassiger Arbeit. Alles Eigenschaften, die ein Unternehmen im Markt wachsen lassen und weiter bringen. Deshalb muss ein Unternehmer sich auf seine Mitarbeiter verlassen können. Und diese sollten ihre Arbeit im Dienst der Sache gut machen. Es gibt nichts Schlimmeres als Angestellte, die sich gehen lassen und dazu noch Toleranz fordern im Sinne von leben und leben lassen. Dieses Mittelmass an Leistungsfähigkeit wirkt äusserst destruktiv.

Unternehmerisch denken hat auch viel mit Berufsstolz zu tun. Berufsstolz heisst, an sich und seine Umgebung hohe Ansprüche stellen, perfekte Arbeit leisten und sich bewusst sein, dass erstklassige Leistung nicht nur die Firma stärkt, sondern auch viel beiträgt zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Denn mit jedem Lob und jedem Erfolg wächst die innere Stärke und Überzeugungskraft. Sich seines Wertes sicher sein ist nur möglich, wenn man Klasse zeigt. Und dies nicht nur einmal. Sondern beständig. Durch und Durch. Das gilt nicht nur für die Sekretärin Susanne. Dieses Credo sollte sich durch alle Berufsgattungen ziehen.